Emotionale Kompetenz

Blume

Emotionale Kompetenz beginnt damit, das Herz zu öffnen.

Emotionen – das was bewegt

Gefühle haben im Wesentliche zwei Funktionen:

Bewegung und Bedeutung.

Ganz im Sinne der Wortbedeutung  Emotion (e-movere, lat. weg-bewegen) gehören Gefühle zum stets in Bewegung befindlichen Lebendigen, gehören in den Bereich des feinstofflichen Körpers und der Energie, die nie ganz zur Ruhe kommen so lange wir leben.

Zugleich sagen uns die Gefühle, welche Bedeutung etwas für uns hat – Dinge, Menschen, Begegnungen.

So sind sie ein wichtiger Informationsgeber und zugleich Quelle und Ausdruck unserer Lebendigkeit.

Die Entdeckung der Gefühle in der Neurobiologie

40 Jahre nach Eric Berne vertritt der Neurowissenschaftler Luc Ciompi die gleiche Ansicht, wenn er schreibt: „Affektiv-kognitive Bezugssysteme oder Fühl-Denk- und Verhaltensprogramme bilden auf unterschiedlichsten hierarchischen Ebenen immer wieder die grundlegenden ‚Bausteine der Psyche‘.“ (Luc Ciompi 1997, 48) Und weiter: „Emotionale und kognitive Komponenten – oder Fühlen und Denken, Affekte und Logik – sind in sämtlichen psychischen Leistungen untrennbar miteinander verbunden und wirken gesetzmäßig zusammen.“ (Luc Ciompi 1997, 46)

Emotionale Bewusstheit

In Anlehnung an die Arbeiten von Claude Steiner arbeiten wir mit einer Entwicklungsspirale Emotionaler Bewusstheit. Gefühle sind stets mit einem spezifischen körperlichen und energetischen Erleben verbunden. Dazu entwickeln Menschen Sprache, um dieses emotionale Erleben zu differenzieren. Die Sprache schafft auch die Distanz, um über die Ursache eines Gefühls nachzudenken. Diese kann in der Gegenwart oder in internem Erleben, in Erinnerungen, Traumata oder Körpererleben liegen. Die Selbsterforschung der Kausalität öffnet in der gesunden Entwicklung auch die Tür zum empathischen Verstehen von Anderen. Dies beides ist die Basis zur Fähigkeit der Interaktivität, mit der wir emotionale Verstrickungen lösen können.

Beispiele für „Pig Parents“ bei positiver Zuwendung

Die Mutter will ihr Kind nicht zu viel loben, damit es nicht übermütig, faul oder eingebildet wird. Der Chef lobt nicht, damit die Leistung nicht nachlässt. Außerdem ist es ja selbstverständlich, dass sich die Mitarbeiter anstrengen und erfolgreich sind. Wenn ich diesen Chef dann um ein Feedback bitten muss, dann zeige ich Unsicherheit und laufe das Risiko, wieder „eine einstecken“ zu müssen. Und wenn ich meine Frau/meinen Mann erst bitten muss, mich in den Arm zu nehmen zeige ich Schwäche und er/sie wird es dann nur mir zu liebe tut und es nicht ehrlich meinen. Wenn ich dann einmal etwas bekomme darf ich es auf keinen Fall ablehnen, auch wenn es mir z.B. gar nicht schmeck, dass schon wieder meine schicke Frisur betont wird anstatt mein kluger Arbeitsvorschlag. Wenn ich nun auf die Idee käme, mir selbst für das Zuwendung zu geben, wovon ich selber glaube, dass es meine Stärke ist dann lüge ich mir womöglich nur in die eigene Tasche. – Wer übt, solche kritischen Einwände zur Seite zu stellen hat womöglich die Angst, das Chaos bricht aus oder die Welt geht unter. Allerdings ist das so noch nie in Realität eingetreten.

Ein Quäntchen Liebe – Auf die Haltung kommt es an

Schonen statt lieben – das wäre der Tatbestand des Lügens, der dazu führt, dass wir Plastikzuwendung geben und der andere nicht mehr weiß, was nun ehrlich gemeint ist und was nur Strategie und Manipulation ist. Gerade an unehrlichen Versprechungen und Anerkennungen leidet unsere Konsumgesellschaft. Alles scheint käuflich. Doch die ehrliche Zuwendung ist es nicht. Ihre Basis ist die Liebe. Im Verstehenskontext der Psychologie hat das Eric Berne mit dem paradigmatischen Satz ausgedrückt, mit dem die konstruktive Haltung zum Nächsten beschrieben wird: Ich bin OK und Du bist OK.

Anwendung Paarbeziehung

Wer die kleinen Störungen in der Paarbeziehung unter den Teppich kehrt wird irgendwann darüber stolpern. Stattdessen lohnt es sich so lange zu verhandeln, bis die Störung von beiden wirklich los gelassen werden kann und sich keine Altlasten anhäufen. Das gelingt am ehesten, wenn man in den konfliktfreien Zeiten sehr bewusst eine positive Zuwendungskultur aufbaut anstatt etwa folgendermaßen vorzugehen: „Ich habe Dir doch letzte Woche schon gesagt dass ich Dich liebe. Du bist unersättlich, undankbar, ich kann Dich nie zufrieden stellen, such dir doch eine andere …“ Eine solche Eskalation kann vermieden werden, wenn wir den Wunsch nach Zuwendung ernst nehmen und ehrlich Zuwendung geben oder ehrlich sagen, dass uns das im Augenblick gerade nicht möglich ist. Auch letzteres hat die Chance, das Vertrauen in die Beziehung zu stärken, so dass auch das Gespräch über negative Gefühle möglich wird, das mit der Handlung-Gefühl-Stellungnahme eingeleitet werden kann.

Was ist emotionale Kompetenz?

Mayer und Salovey (1993, 1997)‏ haben in ihren umfangreichen Untersuchungen fünf Dimensionen Emotionaler Kompetenz herausgearbeitet, die wir als nützlich ansehen:

  • Selbstbewusstheit
  • Selbststeuerung
  • Selbstmotivation
  • Empathie
  • Soziale Kompetenz

Sich seiner Selbst und damit auch seiner Gefühle bewusst sein ist sicher ein Ausgangspunkt für Emotionale Kompetenz. Da es eine Erfordernis menschlichen Zusammenlebens ist, sich situationsbewusst zu verhalten ist die Steuerung der Gefühle teil eines Kompetenten Umgangs mit Gefühlen. Ebenso die Fähigkeit, Gefühle in uns zu wecken (Selbstmotivation), empathisch mitzuschwingen, um die feine, bisweilen unscharfe Seite des anderen zu erfassen und die Kompetenz, die Gefühle in den kommunikativen Austausch zu bringen (soziale Kompetenz).

Emotionen, Gefühle, Stimmungen?

Begriffe wie Gefühle, Emotionen, Stimmungen, Launen, Gemütsbewegungen werden in der Emotionsforschung vielfach definiert und in unterschiedlicher Weise als Oberbegriffe verwendet. Untersuchungen ergeben über 80 unterschiedliche Ergebnisse. Doch handelt es sich um ein Phänomen, das trotz aller Vielfalt von Menschen intuitiv als etwas Einheitliches verstanden wird. Darum gebrauchen wir am IPE die Begriffe Emotion und Gefühl weitgehend als Synonyme.

Gefühle in der Transaktion: Das Emotionale Kompetenz Training

Im Training Emotionaler Kompetenz erleben Menschen, dass sie keine Sprache haben, ihre Körpersignale differenziert mitzuteilen. Oder dass sie sich das nicht trauen, weil innere Verbote, wir sprechen auch von „Pig-Parents“, uns das nicht erlauben.

Die zentral Sprachstruktur des Trainings, die Handlung-Gefühl-Stellungnahme, lädt ein, die Gefühlslandschaft zu erkunden und gibt Raum für die Erfahrung, dass unterschiedliche Sichtweisen leichter verstanden werden, wenn die Gefühle benannt und damit die Bedeutungen sichtbar werden.

Dort, wo solche Erfahrung durch „Pig-Parents“ verhindert wird liegt die Chance und die Grenze des Emotionale-Kompetenz-Trainings. Das Erkennen destruktiver innerer Kontrolle, das Aufdecken sozial schädlicher und persönlich belastender und im Ergebnis ineffektiver Vermeidungsstrategien ist Bestandteil lebenslangen Lernens und befreit zu Empathie und Interaktivität, die kooperative und liebevolle Beziehungsgestaltung ermöglicht. Bisweilen zeigt dieses Erkennen aber auch einen Therapiebedarf auf, der im Training benannt und erkannt werden kann, jedoch in ein therapeutisches Setting gehört.

Verantwortung übernehmen

Fritz Perls vertrat noch die Ansicht, dass jeder selbst verantwortlich ist für seine Gefühle und entsprechend hat Salovey „Selbstmotivation“ als Kriterium Emotionaler Kompetenz genannt. Das bedeutet ja so viel wie angenehme Gefühle in mir wecken um Lust auf den nächsten Schritt zu haben. Dennoch lassen wir daneben die Annahme bestehen, dass Menschen Einfluss aufeinander haben. Natürlich muss ich mich nicht ärgern, wenn ein anderer eine Verabredung nicht einhält oder mir eine Unwahrheit unterstellt wird. Dennoch liegt ein Ärger Gefühl nahe und ich werde den Ärger nicht leugnen, wenn ich an einer guten Beziehung interessiert bin. Dann ist mein Ärger möglicherweise der Motor, mich für eine Klärung der Situation einzusetzen, um wieder zu einem harmonischen Miteinander zu kommen.

Darum wird es im Emotionale-Kompetenz-Training nach Claude Steiner als erstrebenswert angesehen, Verantwortung zu übernehmen und die Freiheit zu gewinnen, ehrlich den Anderen um Entschuldigung und manchmal sogar um Vergebung zu bitten, um wieder zu einem unbelasteten Miteinander zu kommen.

EK und Stress

Gefühle tragen dazu bei, Probleme zu lösen. Angst erhöht die Aufmerksamkeit auf den Auslöser der Angst und führt zur Ich-Tätigkeit. Ärger mobilisiert die Kraft zur Problemlösung. Trauer weckt die Bereitschaft, liebevoll auf uns zu achten und Freude macht offen für Begegnung. Kein Gefühl verursacht Stress. Stress wird vielmehr durch die Verdrängung von Gefühlen verursacht, die wir für die Problem- bzw. Aufgabenlösung bräuchte.

EK und seelische wie psychische Gesundheit

Nicht nur für den Normalneurotiker sondern auch für den neurotisch oder psychotisch Erkrankten ist es eine Heilung fördernde Kompetenz, die Bewusstheit des emotionalen Erlebens zu erreichen und darüber kommunizieren zu können. Ebenso ist emotionale Kompetenz ein wesentlicher Beitrag zu Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit, wie sie für die Kohärenz im Sinne von Resilienz erforderlich sind.

Der Stellenwert der Gefühle bei Eric Berne

In den 60ger Jahren des letzten Jahrhunderts legte Eric Bern, der Begründer der Transaktionsanalyse, die Grundlagen seiner Ich-Psychologie. Im zentralen Modell zur Beschreibung der Struktur der Psyche definiert er Ich-Zustände als ein in sich kohärentes System von Denken, Fühlen, Tun und Körperlichkeit. Damit hat er die Behauptung aufgestellt,  dass in allen Zuständen, in denen sich das Ich erlebt, die Gefühle ein konstitutiver Bestandteil sind.

Unterschiedsbildung in der Transaktionsanalyse

Wenn oben gesagt ist, dass nach Berne Gefühle konstitutiver Bestandteil von Ich-Zuständen sind und im Strukturmodell der Psyche zwischen Ich-Zuständen mit starkem Gegenwartsbezug und solchen mit überwiegendem Vergangenheitsbezug unterschieden wird, ergibt sich daraus die Schlussfolgerung, dass bisweilen Gefühle im Hier und Jetzt entstehen, bisweilen aber auch im Kontext der inneren Orientierung an vergangenem Erleben zu verorten sind. Wir sprechen dann von „Rabattmarken“ oder auch von „Gummibandgefühlen“.

Bisweilen sind Gefühle auch Ergebnis effektiver Lernerfahrung. Mit „Lieblingsgefühlen“ haben wir viel Erfahrungen gesammelt, hiermit sind Menschen im Umgang sicher und stellen und erleben sie anstelle der aktuell angemessenen Gefühle. „Racketgefühle“ hingegen sind Ersatzgefühle, mit denen ich meine Umwelt manipulieren kann und zugleich Nähe vermeide.

Herzbeziehung als Basis

In der Regel führt das Emotionale-Kompetenz-Training in eine offene und ehrliche Begegnung. Eine solche macht häufig Angst und bedeutet, vertrautes Wiederholungshandeln und Kontrollverhalten aufzugeben. Insofern sind Schutz und Mut gefragt. Menschen erleben sich als sicher und mutig, wenn ihre Grundbedürfnisse befriedigt sind. Eric Berne hat Zuwendung als eines von vier seelischen Grundbedürfnissen erkannt und Claude Steiner hat Basisforschung dazu betrieben. Auf seinen Ergebnissen baut das Emotionale- Kompetenz-Training auf. Steiner gab der ersten Phase des Trainings den Titel: Das Herz öffnen. Menschen lernen in dieser Phase, positive Zuwendung zu geben, anzunehmen, darum zu bitten, unangenehme Zuwendung zurückzuweisen und sich selbst Zuwendung zu geben. Auch dabei sind in der Regel „Pig Parents“ aktiv und es entsteht eine resilienzfördernde Gruppenkultur, je mehr die „Pig Parents“ aus den Köpfen verbannt sind.

Systemregeln für das EK Training

Den Rahmen des Emotionale-Kompetenz-Trainings bildet der Kooperative Vertrag. Hierbei verpflichten sich die Teilnehmer am Training, nur so lange mitzumachen, wie sie das freiwillig tun und weder sich noch andere unter Druck zu setzen. Das wäre Power Play und ist ebenso ein no go wie Lügen. Wenn wir den anderen nicht verletzen wollen oder aus sonstigen Rücksichtnahmen etwas nicht sagen wollen, dann bleibt uns die Möglichkeit, für einen Augenblich oder auch länger aus dem Regelrahmen auszusteigen und uns nicht zu beteiligen.

Anwendung Leadership

Wie einfach wäre es, wenn der Mitarbeiter zum Chef gehen könnte und sich zu sagen traute: „Wie Sie gestern am Telefon mit mir geredet haben hat mich geärgert.“  Sagt der Chef: „Ach setzten Sie sich doch und sagen Sie mehr dazu. Was hat Sie denn geärgert?“ „Ich hatte die Phantasie, Sie würden mir unterstellen, dass ich absichtlich die Sache nicht erledigt habe.“ Vielleicht muss Chef jetzt sagen: „Ja stimmt. Ich hatte das gestern gedacht und erst später gehört, dass …“ Und weiter: „Darf ich Sie um Entschuldigung für diese Unterstellung bitten. Ich weiß, dass sie falsch war.“ Oder aber er sagt: „Nein, das habe ich Ihnen gar nicht unterstellt. Ich war sehr im Stress und wusste nicht, wie wir die Situation gut lösen können. Heimlich habe ich gehofft, Sie hätten vielleicht eine Lösung, habe mich aber nicht getraut Sie zu frage.“ – Das wäre die Trainingssituation einer Handlung-Gefühl-Stellungnahme mit anschließender Überprüfung von Phantasien in Übertragung auf eine alltägliche Konfliktsituation zwischen Chef und Mitarbeiter. Dabei wird zuerst das Gefühl in der Situation genannt, das die Bedeutung der Situation klar macht. Das erfordert vom Gegenüber die Haltung einzunehmen: ‚Danke dass sie mir sagen, was mein Anruf bei Ihnen ausgelöst hat. Jetzt will ich Ihnen unbedingt zuhören, um den Ärgerpunkt zu klären.’ Das ist dann etwas ganz anderes als in Rechtfertigung oder Gegenangriff zu gehen.

Gefühl und Körper: Das Emotional Basic Training

Im Abschnitt ‚Emotionale Bewusstheit’ hatte ich oben geschrieben: Gefühle sind stets mit einem spezifischen körperlichen und energetischen Erleben verbunden. Manche Menschen verstehen ihre Körpersignale nicht oder nehmen sie gar nicht wahr. Dafür haben wir neben dem Emotionale-Kompetenz-Training das Emotional-Basic-Training entwickelt, in dem die Teilnehmer mit Körper- und Energiearbeit (Bioenergetik, Gestalt, Holotropes Atmen, Chakraarbeit, Schamanenübungen, Reichianische Körperarbeit u.a.m.) auf die Reise zur Entdeckung der körperlichen und energetischen Lebendigkeit und den damit verbundenen Gefühlen gehen.